Nach allem, was öffentlich bekannt ist, ist Eminem nicht schwul, und sein berühmtes „Ich bin schwul“ fiel in einer Filmkomödie, nicht im echten Leben. Trotzdem hält sich die Frage hartnäckig. Kein Wunder bei einem Rapper, der jahrelang mit schwulenfeindlichen Zeilen provoziert hat und gleichzeitig mit Elton John auf der Grammy-Bühne stand. Hier bekommst du die belegten Fakten zu Eminems Sexualität, zu den Songtext-Kontroversen und zu dem, was er selbst gesagt hat.
Die kurze Antwort: Ist Eminem schwul?
Marshall Mathers, so Eminems bürgerlicher Name, hat sich nie als schwul oder bisexuell bezeichnet. Er war zweimal mit derselben Frau verheiratet, mit Kim Scott, ist Vater von Tochter Hailie und hat zwei weitere Kinder adoptiert. Die Beziehungen, die öffentlich bekannt wurden, waren Beziehungen zu Frauen. Ein Coming-out gibt es nicht, und es gibt auch keinen belastbaren Hinweis, der etwas anderes nahelegt.
„Ich bin schwul“ in The Interview: was wirklich passiert ist
Das Zitat, das bis heute durchs Netz geistert, stammt aus der Satire The Interview (2014) mit James Franco und Seth Rogen. Eminem spielt darin sich selbst, als Gast in der erfundenen Talkshow „Skylark Tonight“. In der Szene erklärt er, seine schwulenfeindlich wirkenden Texte kämen daher, dass er selbst schwul sei. Talkmaster Dave Skylark ist begeistert, der Produzent im Hintergrund will sofort nachhaken.
Ein echtes Coming-out war das nie. Die Szene stand im Drehbuch, der Film ist ausdrücklich Fiktion. Das Faktencheck-Portal Snopes hat das eigens klargestellt, weil zahlreiche Medien den Clip mit Schlagzeilen wie „Eminem outet sich“ geteilt hatten. Ironisch ist die Szene trotzdem: Sie spielt genau mit dem Vorwurf, der Eminem seit seinem Durchbruch verfolgt.
Eminems homophobe Songzeilen: die Kontroversen
Schon auf The Marshall Mathers LP (2000) häuften sich Zeilen, die Schwule beschimpften. Die Organisation GLAAD nannte die Texte hasserfüllt und demonstrierte, als Eminem dafür 2001 für vier Grammys nominiert war. In den Jahren danach riss die Debatte nie ganz ab:
- 2013, „Rap God“: wieder ein Schimpfwort gegen Schwule, wieder Kritik, unter anderem von Boy George.
- 2018, „Fall“: Auf dem Album Kamikaze beschimpfte Eminem den Rapper Tyler, the Creator mit einem homophoben Begriff. Justin Vernon von Bon Iver, der auf dem Track zu hören ist, distanzierte sich öffentlich.
- Die Reaktion: Im Interview mit Sway sagte Eminem kurz darauf, er sei wütend gewesen und das Wort sei wohl „zu weit“ gegangen. Beim Versuch, Tyler zu verletzen, habe er viele andere Menschen verletzt (The Fader).
Was Eminem selbst über Schwule und Homophobie gesagt hat
Wie passt das zusammen? Eminems Erklärung ist seit Jahren dieselbe. Im Rolling Stone sagte er 2013, er habe die Schimpfwörter aus der Battle-Rap-Szene übernommen, in der sie damals ständig fielen, so wie „Bitch“, „Punk“ oder „Asshole“. Mit Homosexualität habe er sie nie gleichgesetzt. Der echte Marshall Mathers habe kein Problem mit schwulen, heterosexuellen oder trans Menschen (The Advocate).
Schon 2010 hatte er im New York Times Magazine erklärt, dass er die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare unterstützt. Auf seine typische Art: Schwule Paare sollten genauso die Chance haben, in der Ehe unglücklich zu werden, wie alle anderen (PinkNews).
Ob dir diese Erklärung reicht, entscheidest du selbst. Viele schwule Fans sagen: Ein Schimpfwort wird nicht harmloser, nur weil es „nicht so gemeint“ war. Und genau das hat Eminem 2018 indirekt selbst eingeräumt.
Eminem und Elton John: die ungewöhnlichste Freundschaft im Pop
Den stärksten Kontrapunkt zu den Vorwürfen setzte ausgerechnet einer der bekanntesten schwulen Musiker der Welt. Bei den Grammys 2001, während draußen gegen Eminem protestiert wurde, sang Elton John mit ihm „Stan“ und übernahm den Part von Dido. Am Ende umarmten sich die beiden auf der Bühne. GLAAD zeigte sich entsetzt, Elton hielt dagegen: Würde er Eminem für einen Hasser halten, stünde er nicht mit ihm auf der Bühne (Rolling Stone).
Aus dem Auftritt wurde eine Freundschaft. Wie eng sie ist, erzählte Elton 2017 in der Graham Norton Show: Zur eingetragenen Partnerschaft mit David Furnish habe Eminem den beiden zwei mit Diamanten besetzte Penisringe geschickt, auf Samtkissen. Benutzt hätten sie die nie. Die Homophobie-Vorwürfe gegen Eminem nannte Elton bei der Gelegenheit „Unsinn“ (PinkNews).
Eminems Privatleben: Kim Scott, Hailie und der Enkel
Eminem heiratete seine Jugendliebe Kim Scott im Juni 1999, zwei Jahre später war die Ehe vorbei. Im Januar 2006 gaben sich die beiden ein zweites Mal das Jawort, schon im April reichte er erneut die Scheidung ein (People). Tochter Hailie, geboren 1995, taucht in vielen seiner Songs auf. Im Oktober 2024 machte Eminem im Musikvideo zu „Temporary“ öffentlich, dass er Großvater wird (CBS News). Über eine aktuelle Partnerschaft spricht er nicht.
Warum die Frage trotzdem etwas erzählt
Die Suche nach „Ist Eminem schwul?“ sagt weniger über Eminem als über Hip-Hop. Lange galt Schwulsein im Rap als Karriereende, und „schwul“ war das Standard-Schimpfwort auf jedem Schulhof. Dass heute ein offen schwuler Rapper wie Lil Nas X Welthits landet, war vor zwanzig Jahren kaum vorstellbar. Wenn du Musiker suchst, die offen schwul leben, schau in unsere Übersicht Schwule Sänger. Und falls dich solche Zeilen persönlich treffen: Wie sich verinnerlichte Abwertung anfühlt und was dagegen hilft, liest du bei internalisierter Homophobie.
Häufige Fragen
Ist Eminem schwul?
Nach allem, was öffentlich bekannt ist: nein. Er hat sich nie als schwul bezeichnet, war zweimal mit Kim Scott verheiratet und hat keine Beziehung zu einem Mann öffentlich gemacht.
Hat Eminem gesagt, dass er schwul ist?
Nur im Film. In der Komödie The Interview (2014) sagt er als Gast einer erfundenen Talkshow, er sei schwul. Die Szene war geschrieben und ein Gag, kein Coming-out.
Was ist über Eminems Sexualität bekannt?
Öffentlich bekannt sind nur Beziehungen zu Frauen, allen voran die zwei Ehen mit Kim Scott. Über seine Sexualität selbst spricht er kaum, abgesehen von Aussagen zu seinen Texten.
Ist Eminem homophob?
Seine Texte enthalten immer wieder schwulenfeindliche Schimpfwörter, dafür wurde er oft kritisiert. Er selbst sagt, er habe kein Problem mit Schwulen, und unterstützte schon 2010 die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare. 2018 räumte er ein, mit einer Zeile gegen Tyler, the Creator zu weit gegangen zu sein.
Sind Eminem und Elton John befreundet?
Ja. Seit ihrem gemeinsamen Grammy-Auftritt 2001 verbindet die beiden eine Freundschaft. Elton John verteidigt Eminem seitdem gegen den Vorwurf der Homophobie.
Ist Eminem verheiratet?
Eine aktuelle Ehe ist nicht bekannt. Mit Kim Scott war er von 1999 bis 2001 und dann noch einmal 2006 verheiratet.
Mehr Promi-Faktenchecks: Ist Luca Hänni schwul?, Ist Florian David Fitz schwul? und Ist Manuel Neuer schwul? Promis, die offen schwul leben, findest du bei den schwulen Stars.
