LGBTQIA+ – sechs Buchstaben und ein Plus, die für Millionen Menschen und ihre Identitäten stehen. Die Abkürzung begegnet dir überall, aber selten wird erklärt, wofür jeder Buchstabe eigentlich steht. Hier bekommst du es Buchstabe für Buchstabe aufgeschlüsselt – einfach, korrekt und ohne dass du dir alles merken musst.
Was heißt LGBTQIA+ überhaupt?
LGBTQIA+ ist eine Sammelabkürzung für verschiedene sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten. Sie kommt aus dem Englischen, wird aber auch im Deutschen benutzt. Im deutschsprachigen Raum findet man häufig die Variante LSBTIQ+, die dasselbe meint, nur mit deutschen Anfangsbuchstaben. Das Ziel der Abkürzung ist einfach: möglichst viele Menschen sichtbar machen, statt nur „schwul und lesbisch“ zu sagen und den Rest zu vergessen.
L wie lesbisch
Das L steht für lesbisch – Frauen, die sich romantisch und sexuell zu anderen Frauen hingezogen fühlen. Der Begriff ist heute eine selbstbewusste positive Selbstbezeichnung. Dass das L an erster Stelle steht, ist übrigens kein Zufall: Es entstand in einer Zeit, in der lesbische Frauen ihre Sichtbarkeit innerhalb der Bewegung bewusst einforderten.
G wie gay (schwul)
Das G steht für gay, also schwul – Männer, die sich romantisch und sexuell zu anderen Männern hingezogen fühlen. Im Deutschen entspricht das dem S in LSBTIQ. Was genau hinter dem Wort steckt und wie es sich entwickelt hat, liest du in Was bedeutet gay.
B wie bisexuell
Das B steht für bisexuell – Menschen, die sich zu mehr als einem Geschlecht hingezogen fühlen. Die Gewichtung muss dabei nicht gleich sein, und Bisexualität ist keine Phase, sondern eine eigenständige Orientierung. Wie sich das von schwul und queer abgrenzt, erklärt Unterschied schwul, bisexuell, queer. Typische Anzeichen, dass du bi bist, haben wir in einem eigenen Beitrag gesammelt.
T wie trans
Das T steht für trans – Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt. Wichtig: Trans sagt etwas über die Geschlechtsidentität aus, nicht über die sexuelle Orientierung. Ein trans Mann kann schwul, hetero oder bi sein. Mehr dazu in Cis, trans und enby. Übrigens: Drag ist Kunst und Performance, keine Geschlechtsidentität. Warum, liest du unter Drag Queens einfach erklärt.
Q wie queer (oder questioning)
Das Q hat zwei mögliche Bedeutungen, die oft beide mitgemeint sind:
- Queer – ein Oberbegriff für alle, die nicht heterosexuell und/oder nicht cisgeschlechtlich sind, oder eine Selbstbezeichnung für Menschen, die sich keinem engeren Label zuordnen wollen.
- Questioning – Menschen, die sich noch fragen und ihre Identität ausloten, ohne sich schon festgelegt zu haben.
I wie inter (intergeschlechtlich)
Das I steht für intergeschlechtlich (inter*) – Menschen, deren körperliche Geschlechtsmerkmale sich nicht eindeutig in die Kategorien „männlich“ oder „weiblich“ einordnen lassen. Das kann Chromosomen, Hormone oder die Anatomie betreffen. Intergeschlechtlichkeit ist eine natürliche Variante menschlicher Körper und hat nichts mit der sexuellen Orientierung zu tun.
A wie asexuell (und mehr)
Das A steht in erster Linie für asexuell – Menschen, die wenig oder keine sexuelle Anziehung zu anderen empfinden. Das heißt nicht, dass sie keine Beziehungen oder keine Liebe erleben; es geht speziell um die sexuelle Anziehung. Manchmal wird das A auch für aromantisch (wenig oder keine romantische Anziehung) mitgedacht. Ein häufiges Missverständnis: Das A steht nicht für „Ally“, also für heterosexuelle Verbündete – die gehören zwar dazu, aber der Buchstabe meint asexuelle Menschen selbst.
Und das Plus?
Das + am Ende ist bewusst offen. Es steht für alle weiteren Identitäten, die in den Buchstaben nicht ausdrücklich auftauchen – zum Beispiel pansexuell, nicht-binär, genderfluid oder demisexuell. Statt die Abkürzung ins Unendliche zu verlängern, sagt das Plus einfach: „und alle anderen, die dazugehören“. Es ist ein Zeichen der Einladung, nicht der Vollständigkeit. Eine ausführliche Aufschlüsselung der Begriffe bietet das LSBTIQ-Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung.
Warum es so viele Varianten gibt
LGBT, LGBTQ, LGBTQIA+, LSBTIQ*, 2SLGBTQ+ – die Abkürzung taucht in vielen Formen auf, und das verwirrt oft. Der Grund ist gut: Die Reihe wächst, weil immer mehr Menschen sichtbar werden und mitgemeint sein wollen. Kürzere Varianten sind nicht „falsch“, sie fassen nur weniger aus. Welche Form du benutzt, ist weniger wichtig als die Haltung dahinter – dass niemand vergessen wird. Im Zweifel liegst du mit „queer“ als Sammelbegriff oder mit „LGBTQIA+“ nie ganz daneben.
Häufige Fragen
Wofür steht LGBTQIA+ ausgeschrieben?
Für lesbisch, gay (schwul), bisexuell, trans, queer bzw. questioning, inter (intergeschlechtlich) und asexuell. Das Plus steht für alle weiteren Identitäten wie pansexuell oder nicht-binär.
Was bedeutet das A in LGBTQIA+?
In erster Linie asexuell, manchmal auch aromantisch mitgedacht. Es steht nicht für „Ally“ – Verbündete gehören dazu, aber der Buchstabe meint asexuelle Menschen.
Was ist der Unterschied zwischen LGBTQIA+ und LSBTIQ+?
Inhaltlich das Gleiche. LGBTQIA+ nutzt englische Anfangsbuchstaben, LSBTIQ+ die deutschen. Beide meinen dieselben Menschen.
Wofür steht das Plus am Ende?
Für alle Identitäten, die in den Buchstaben nicht ausdrücklich vorkommen – etwa pansexuell, nicht-binär oder genderfluid. Es hält die Abkürzung offen und einladend.
Warum ändert sich die Abkürzung ständig?
Weil immer mehr Menschen sichtbar werden und mitgemeint sein möchten. Kürzere Formen sind nicht falsch, sie fassen nur weniger Identitäten zusammen.
Bedeutet das Q immer queer?
Meist ja, oft aber auch „questioning“ für Menschen, die ihre Identität noch ausloten. Häufig sind beide Bedeutungen zugleich gemeint.
Weiterlesen: Die Begriffe schwul, bi und queer trennt sauber Unterschied schwul, bisexuell, queer, und die Herkunft von „gay“ klärt Was bedeutet gay.
Übrigens: Wenn dich die Abgrenzung der einzelnen Begriffe interessiert, wird sie in Unterschied schwul, bisexuell, queer sauber getrennt – und was Geschlechtsidentität von Orientierung unterscheidet, steht in Cis, trans und enby.
