Streit um die Heizung: wer friert, wer zahlt?

Er dreht auf 23 Grad, du drehst zurück auf 19, und abends sitzt einer von euch mit Jacke auf dem Sofa. Sobald es draußen kalt wird, wird die Heizung in vielen gemeinsamen Wohnungen zum täglichen Reibungspunkt. Selten geht es dabei um die Temperatur allein, meist um Geld und um die Frage, wer in der Beziehung die Regeln macht.

Warum einer immer friert

Menschen empfinden Wärme unterschiedlich. Der eine läuft im Winter im T-Shirt durch die Wohnung, der andere sitzt den ganzen Tag im Homeoffice und bewegt sich kaum. Einer ist mit 24 Grad im Wohnzimmer groß geworden, der andere mit Pullover und Fenster auf Kipp. Beides ist normal. Schwierig wird es erst, wenn jeder sein Empfinden zur einzig richtigen Einstellung erklärt.

Typisch: Du stellst das Thermostat auf drei. Er kommt heim, findet es stickig und dreht auf eins. Du merkst es nach einer Stunde, sagst nichts und drehst wieder hoch. Keiner spricht darüber, beide sind genervt. Solche stillen Thermostat-Kämpfe laufen in manchen Wohnungen den ganzen Winter durch.

Die Abrechnung kommt im Sommer

Im Winter ist die Heizung Gefühlssache, im Sommer eine Rechnung. Die Nebenkostenabrechnung landet oft Monate später im Briefkasten, und dann steht dort eine Nachzahlung, die keiner eingeplant hat. Wer heimlich hochgedreht hat, zahlt jetzt mit. Wer sparsam war, fühlt sich bestätigt.

Besser ist ein Blick auf die Abrechnung des Vorjahres, bevor die Heizperiode beginnt. Wie hoch waren Heizkosten und Vorauszahlung? Wenn ihr wisst, was ein Winter ungefähr kostet, könnt ihr monatlich etwas zurücklegen. Und ihr redet über Zahlen statt über Vorwürfe.

Wer zahlt was bei ungleichem Einkommen

Verdient einer deutlich mehr als der andere, wird die Hälfte-Hälfte-Regel schnell ungerecht. Viele Paare teilen Miete und Nebenkosten deshalb anteilig nach Einkommen auf. Wer mehr verdient, trägt den größeren Teil, und die Nachzahlung im Sommer läuft nach demselben Schlüssel. Wie das konkret aussehen kann, steht im Beitrag zu gemeinsamen Finanzen als schwules Paar.

Was dabei gern untergeht: Wer friert, hat meist auch den höheren Verbrauch. Verdient er gleichzeitig weniger, kommt beim Heizen ein schlechtes Gewissen dazu. Das lässt sich auflösen. Entweder ihr behandelt die Heizkosten als gemeinsame Fixkosten, egal wer wie oft am Thermostat war. Oder ihr legt fest, dass euch beiden ein warmes Wohnzimmer etwas wert ist.

Lüften und die kalte Ecke im Schlafzimmer

Noch ein Klassiker: Einer lüftet gern lange bei gekipptem Fenster, der andere sieht die Wärme davonziehen. Kurzes Stoßlüften mit weit offenem Fenster, mehrmals am Tag, bringt frische Luft in die Wohnung, ohne dass die Wände auskühlen. Damit können in der Regel beide leben.

Viele Paare schlafen bei abgedrehter Heizung, einer zieht die Decke bis zur Nase. Dazu kommt oft eine Ecke, die sich immer kalt anfühlt, meist die Außenwand hinter dem Bett oder hinter dem Schrank. Dort schlägt sich die Feuchtigkeit aus der Atemluft nieder, und nach ein paar Wochen riecht es muffig.

Ist die Wand dauerhaft kalt und feucht, liegt das in der Regel an der Bauweise und weniger an eurem Lüftungsverhalten. Dann lohnt das Gespräch mit dem Vermieter. Eine Übersicht dazu, was Mieter bei einer kalten, feuchten Außenwand vom Vermieter verlangen können, beschreibt die üblichen Schritte, etwa den Mangel schriftlich anzuzeigen und Fotos zu machen. Wer unsicher ist, fragt beim Mieterverein nach. Bis dahin: Bett und Schrank ein Stück von der Wand abrücken, damit Luft dahinter zirkulieren kann. Das beugt Schimmel vor und nimmt dem Thema die Dramatik.

Reden statt drehen: Regeln, Zonen, Decke

Der Fehler ist, das Thema abends um elf zu klären, wenn einer gerade friert und der andere die Nachzahlung im Kopf hat. Sucht euch einen ruhigen Moment, bevor die Heizperiode richtig losgeht. Keine Verhandlung, eher eine offene Frage: Wie wollen wir das diesen Winter machen?

  • Eine Grundtemperatur vereinbaren. Zum Beispiel 20 Grad im Wohnzimmer tagsüber, nachts abgesenkt. Wer es wärmer will, zieht etwas über. Wer es kühler will, öffnet kurz das Fenster. Die Zahl steht, niemand muss mehr heimlich drehen.
  • Zonen einrichten. Das Arbeitszimmer darf warm sein, wenn einer dort den ganzen Tag sitzt. Das Schlafzimmer darf kühl bleiben. Jeder bekommt einen Raum, in dem seine Einstellung gilt.
  • Decke statt Diskussion. Eine dicke Wolldecke auf dem Sofa und ein Wärmekissen. Klingt banal, beendet aber viele Abende friedlich, die sonst mit Augenrollen enden.
  • Feste Lüftungszeiten. Morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafen, jeweils ein paar Minuten mit weit offenem Fenster.

Steckt hinter dem Thermostat etwas anderes, etwa das Gefühl, in der gemeinsamen Wohnung ständig nachzugeben, lohnt ein Blick auf die Absprachen im Beitrag zum Zusammenziehen als schwules Paar. Viele Heizungsstreits sind in Wahrheit Streits darüber, wem die Wohnung mehr gehört.

Häufige Fragen

Müssen wir die Heizkosten hälftig teilen?
Nein. Wie ihr intern aufteilt, bestimmt ihr. Stehen beide im Mietvertrag, hält sich der Vermieter in der Regel an beide.

Was tun, wenn die Nachzahlung zu hoch ausfällt?
Erst die Abrechnung prüfen: Stimmen Zeitraum, Wohnfläche und Verteilerschlüssel? Bei Zweifeln kann der Mieterverein die Abrechnung durchsehen. Danach die monatliche Rücklage anpassen.

Mein Freund dreht heimlich die Heizung hoch. Wie spreche ich das an?
Ohne Vorwurf und nie im Moment selbst. Sag, dass dir die Abrechnung Sorgen macht, und frag ihn, bei welcher Temperatur er sich wohlfühlt.

Streitet ihr öfter über Kleinigkeiten, die eigentlich keine sind?

Unser Psychologe begleitet schwule Männer diskret zu einer echten Beziehung, mit Geld-zurück-Garantie.

Jetzt unverbindlich anfragen →

Schreibe einen Kommentar