Offen schwule Sportler jenseits des Fußballs

Im Fußball ist ein Coming-out bis heute die große Ausnahme – abseits des Rasens sieht die Welt aber ganz anders aus. Vom Wasserspringen über das Schwimmbecken bis zur Skipiste und aufs Rugbyfeld gibt es längst offen schwule Spitzensportler, die Gold gewonnen und Geschichte geschrieben haben. Dieser Beitrag stellt einige von ihnen vor – jeder mit Sportart, Erfolg und öffentlichem Coming-out, alles nachrecherchiert.

Kurz vorweg: Alle hier genannten Sportler haben sich selbst öffentlich als schwul geoutet und ihre Erfolge sind dokumentiert. Es geht um reale, verifizierte Vorbilder – nicht um Spekulation.

Warum der Fußball hinterherhinkt

Es ist ein Paradox: Ausgerechnet die populärste Sportart tut sich am schwersten. Im aktiven Profifußball der großen Männer-Ligen ist ein Coming-out bis heute selten. Die Gründe reichen von Fankultur über Sponsorendruck bis zur Angst vor Karrierefolgen. Umso wichtiger ist der Blick auf andere Sportarten, in denen offen schwule Athleten längst an der Spitze stehen und zeigen: Sexualität und Höchstleistung passen bestens zusammen.

Tom Daley – Wasserspringen

Der Brite Tom Daley ist wohl das bekannteste Gesicht unter den offen schwulen Sportlern der Gegenwart. Der Wasserspringer machte sein Coming-out 2013 öffentlich. Bei den Olympischen Spielen in Tokio (ausgetragen 2021) gewann er Gold im Synchronspringen vom 10-Meter-Turm. Nach dem Sieg sagte er den viel zitierten Satz, er sei „stolz, ein schwuler Mann und Olympiasieger“ zu sein, und wandte sich mit einer Botschaft an junge LGBTQ-Menschen: Egal wie allein man sich fühle, man sei es nicht (berichtet u.a. NPR). Sein Sieg war ein Wendepunkt in einer Karriere, die als „Wunderkind“ begonnen hatte und ihn schließlich zur Ikone machte.

Bemerkenswert ist, wie selbstverständlich Daley seine Familie – Ehemann und Kind – in die Öffentlichkeit trägt. Er zeigt damit nicht nur, dass ein Coming-out die Karriere nicht bremst, sondern auch, dass ein offen schwuler Athlet zum liebevollen Familienbild taugt. Genau diese Normalität ist Teil seiner Wirkung.

Matthew Mitcham – Wasserspringen

Der Australier Matthew Mitcham schrieb bereits 2008 Geschichte: Bei den Olympischen Spielen in Peking gewann er Gold vom 10-Meter-Turm – und war damit der erste offen schwule Mann, der olympisches Gold holte (dokumentiert bei Wikipedia). Sein letzter Sprung erhielt die höchste Einzelwertung der olympischen Sprunggeschichte bis dahin und verhinderte einen kompletten chinesischen Medaillen-Sweep im Wasserspringen. Mitcham hatte sich noch vor den Spielen öffentlich als schwul geoutet und damit ein starkes Zeichen gesetzt – zu einer Zeit, als offen schwule Männer im Spitzensport noch eine echte Seltenheit waren.

Ian Thorpe – Schwimmen

Ian Thorpe, genannt „Thorpedo“, gehört zu den erfolgreichsten Schwimmern aller Zeiten: Er gewann fünf olympische Goldmedaillen, drei davon bei den Heimspielen 2000 in Sydney. Sein Coming-out kam erst 2014, mehr als ein Jahrzehnt nach dem Höhepunkt seiner Karriere, in einem Fernsehinterview – mit den Worten, er sei „ein schwuler Mann“. Seine Offenheit über die lange Zeit des Verbergens machte ihn zu einer wichtigen Stimme.

Gus Kenworthy – Freestyle-Skiing

Der US-amerikanische Freestyle-Skifahrer Gus Kenworthy gewann bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi Silber im Slopestyle. 2015 outete er sich in einem Interview öffentlich als schwul und gilt als einer der ersten offen schwulen Action-Sportler überhaupt. Seither engagiert er sich sichtbar für LGBTQ-Rechte und ist als Vorbild und Aktivist ebenso präsent wie als Sportler.

Gareth Thomas – Rugby

Der Waliser Gareth Thomas, Spitzname „Alfie“, war ein Rugby-Star mit über 100 Länderspielen für Wales. 2009 machte er sein Coming-out öffentlich und wurde damit zum ersten offen schwulen Profi im Rugby Union (Details bei Wikipedia). Sein Schritt in einem als besonders hart und maskulin geltenden Sport hatte enorme Signalwirkung; später wurde er für sein Engagement vielfach ausgezeichnet. Thomas machte 2019 zudem öffentlich, dass er mit HIV lebt – und wurde so auch zu einer wichtigen Stimme gegen Stigma.

Sein oft zitierter Satz aus der Zeit des Coming-outs bringt vieles auf den Punkt: Er wolle nicht als „schwuler Rugbyspieler“ bekannt sein, sondern zuerst als Rugbyspieler und als Mann. Genau diese Haltung – die Leistung spricht für sich, die Sexualität ist ein Teil, aber nicht das Etikett – prägt viele dieser Vorbilder.

Was diese Vorbilder gemeinsam haben

So verschieden ihre Sportarten sind, eint sie eines: Ihr Coming-out hat nicht ihre Leistung geschmälert, sondern ihre Wirkung vergrößert. Jeder von ihnen hat jungen queeren Menschen gezeigt, dass man an die Weltspitze gehören und offen leben kann. Sie stehen für einen Wandel, der im Spitzensport noch längst nicht abgeschlossen ist – aber sichtbar Fahrt aufnimmt. Sichtbarkeit schafft Vorbilder, und Vorbilder machen den nächsten Coming-outs den Weg leichter.

Auffällig ist auch, dass viele dieser Sportarten – Wasserspringen, Schwimmen, Freestyle-Skiing – individueller und weniger von starrer Umkleide-Männlichkeit geprägt sind als der Mannschaftsfußball. Das mag ein Grund sein, warum Coming-outs hier leichter fielen. Doch die Liste wächst über alle Disziplinen hinweg: von Turmspringern über Rugbyspieler bis zu Boxern und Leichtathleten. Der Trend ist eindeutig – und jedes weitere offene Gesicht macht den Spitzensport ein Stück selbstverständlicher für alle.

Häufige Fragen

Gibt es offen schwule Spitzensportler?
Ja, viele. Besonders im Wasserspringen, Schwimmen, Skisport und Rugby haben sich Top-Athleten wie Tom Daley, Matthew Mitcham, Ian Thorpe, Gus Kenworthy und Gareth Thomas öffentlich geoutet.

Wer war der erste offen schwule Olympiasieger?
Der australische Wasserspringer Matthew Mitcham war 2008 in Peking der erste offen schwule Mann, der olympisches Gold gewann.

Warum outen sich kaum Profifußballer?
Im Männer-Profifußball gelten Fankultur, Sponsorendruck und Karriereangst als große Hürden. In anderen Sportarten sind offene Coming-outs deutlich häufiger.

Ist Tom Daley wirklich Olympiasieger?
Ja. Der britische Wasserspringer gewann bei den Olympischen Spielen in Tokio Gold im Synchronspringen vom 10-Meter-Turm und ist offen schwul.

Was hat Gus Kenworthy gewonnen?
Der US-Freestyle-Skifahrer holte 2014 in Sotschi Silber im Slopestyle. Ein Jahr später outete er sich öffentlich als schwul.

Hat sich schon ein Rugby-Profi geoutet?
Ja. Der Waliser Gareth Thomas machte 2009 sein Coming-out und war damit der erste offen schwule Profi im Rugby Union.

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