Schwul heiraten: Voraussetzungen & Ablauf

Schwul heiraten läuft in Deutschland genauso ab wie jede andere standesamtliche Trauung – ein eigenes Verfahren für gleichgeschlechtliche Paare gibt es nicht. Trotzdem gibt es ein paar Dinge, die ihr kennen solltet: welche Unterlagen ihr braucht, wie die Anmeldung läuft und was am großen Tag passiert. Hier bekommst du die praktische Schritt-für-Schritt-Anleitung ohne Behördendeutsch.

Die Grundvoraussetzungen

Um in Deutschland zu heiraten, müsst ihr beide volljährig, ledig (oder rechtskräftig geschieden bzw. verwitwet) und geschäftsfähig sein. Ihr dürft nicht in gerader Linie miteinander verwandt sein. Seit dem 1. Oktober 2017 spielt das Geschlecht keine Rolle mehr – laut § 1353 BGB schließen „zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts“ die Ehe. Zwei Männer werden vom Standesamt also behandelt wie jedes andere Paar.

Schritt 1: Termin beim Standesamt

Zuständig ist das Standesamt eures Haupt- oder Nebenwohnsitzes. Dort meldet ihr die Eheschließung an – das ist der offizielle erste Schritt. Ihr könnt die Anmeldung frühestens sechs Monate vor dem Wunschtermin machen, und sie ist danach sechs Monate gültig. In dieser Zeit dürft ihr in jedem deutschen Standesamt heiraten, nicht nur im eigenen. Beliebte Termine (Frühling, Sommer, „schöne“ Datumskombinationen) sind früh ausgebucht – kümmert euch also rechtzeitig.

Schritt 2: Die Unterlagen zusammenstellen

Für die Anmeldung braucht ihr in der Regel:

  • Gültiger Personalausweis oder Reisepass von beiden.
  • Beglaubigte Abschrift aus dem Geburtenregister – meist nicht älter als sechs Monate.
  • Erweiterte Meldebescheinigung nach dem Bundesmeldegesetz (bekommt ihr beim Einwohnermeldeamt).
  • Bei Vorehen: rechtskräftiges Scheidungsurteil oder Sterbeurkunde des früheren Partners.
  • Bei Auslandsbezug: je nach Herkunft zusätzliche Dokumente, oft mit Übersetzung und Apostille.

Wichtig: Die genaue Liste unterscheidet sich je nach Standesamt und Lebenssituation. Ruft vorher an oder schaut auf die Website – so vermeidet ihr, dass ihr wegen eines fehlenden Papiers ein zweites Mal antanzen müsst.

Schritt 3: Die Anmeldung persönlich vornehmen

Die Anmeldung zur Eheschließung erfolgt grundsätzlich durch persönliche Vorsprache beider Partner. Kann einer nicht (Krankheit, Ausland), gibt es die Möglichkeit, den anderen mit einer Vollmacht zu bevollmächtigen. Beim Termin prüft der Standesbeamte die Unterlagen und klärt Fragen zum Ehenamen. Sind alle Papiere vollständig und keine Ehehindernisse ersichtlich, wird die Eheschließung freigegeben.

Schritt 4: Der Ehename

Ihr könnt einen gemeinsamen Ehenamen bestimmen – einen eurer Nachnamen – oder eure Namen behalten. Ein Partner kann seinen bisherigen Namen als Begleitnamen voranstellen oder anhängen. Diese Entscheidung müsst ihr nicht sofort treffen, aber sie gehört zum Anmeldegespräch dazu. Überlegt vorher, was zu euch passt.

Schritt 5: Die Trauung selbst

Am Tag der Trauung erscheint ihr mit euren Ausweisen und – falls gewünscht – Trauzeugen (nicht mehr Pflicht, aber möglich). Der Standesbeamte führt durch die Zeremonie, ihr sprecht das Ja-Wort, unterschreibt, und der Bund ist geschlossen. Die reine Trauung dauert meist 15 bis 30 Minuten; viele Standesämter erlauben freie Reden, Musik und einen persönlichen Rahmen. Danach bekommt ihr die Eheurkunde. Ob schlicht im kleinen Kreis oder mit großer Feier drumherum – das entscheidet ihr.

Was schwule Paare zusätzlich bedenken sollten

Rechtlich gibt es keinen Unterschied, praktisch schon ein paar Kleinigkeiten: Wenn ihr Kinder plant, ist gerade die Ehe (statt einer alten Lebenspartnerschaft) wegen des gemeinschaftlichen Adoptionsrechts wichtig. Und auch wenn die allermeisten Standesämter längst routiniert mit gleichgeschlechtlichen Trauungen umgehen: Solltet ihr euch irgendwo unwohl fühlen, dürft ihr in jedes andere deutsche Standesamt ausweichen. Einen verlässlichen Überblick zu allen rechtlichen Fragen rund um die Ehe bietet der LSVD-Ratgeber zur Ehe. Wer trotz aller Gleichstellung noch mit Diskriminierung rechnet – etwa bei der Wahl einer Location oder mit der eigenen Familie –, findet Rückhalt und die eigenen Rechte bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Kirchliche Segnung – zusätzlich möglich

Rechtlich bindend ist in Deutschland allein die standesamtliche Ehe. Wenn ihr darüber hinaus eine religiöse oder freie Zeremonie wollt, ist das eine separate Sache. Einige evangelische Landeskirchen bieten inzwischen Segnungen oder Trauungen für gleichgeschlechtliche Paare an, die Praxis unterscheidet sich aber je nach Region und Gemeinde stark. Die katholische Kirche tut sich damit weiterhin schwer. Alternativ gibt es freie Trauredner, die eine ganz individuelle Zeremonie ohne kirchlichen Rahmen gestalten. Solche Feiern haben keine rechtliche Wirkung, aber emotional oft eine große – erkundigt euch früh, was in eurer Gegend möglich ist.

Kosten und Zeitplan

Die Gebühren fürs Standesamt liegen meist im niedrigen zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Bereich – abhängig von Zusatzleistungen wie Trauung außerhalb der Amtsräume, Wunschtermin am Samstag oder mehreren Urkunden. Rechnet vom ersten Termin bis zur Trauung realistisch mit einigen Wochen bis wenigen Monaten, vor allem in beliebten Monaten. Wer flexibel ist, kommt schneller dran.

Häufige Fragen

Läuft eine schwule Hochzeit anders ab als eine heterosexuelle?
Nein. Seit dem 1. Oktober 2017 gibt es ein einheitliches Verfahren. Voraussetzungen, Unterlagen und Ablauf sind für alle Paare identisch.

Welche Unterlagen brauchen wir?
In der Regel Ausweis, beglaubigte Abschrift aus dem Geburtenregister und eine erweiterte Meldebescheinigung. Bei Vorehen oder Auslandsbezug kommen weitere Dokumente hinzu. Die genaue Liste nennt euer Standesamt.

Wie früh müssen wir uns anmelden?
Frühestens sechs Monate vor dem Wunschtermin. Die Anmeldung ist danach sechs Monate gültig. Beliebte Termine sind schnell weg – meldet euch rechtzeitig.

Können wir in einem anderen Standesamt heiraten als dem am Wohnort?
Die Anmeldung erfolgt am Wohnsitz-Standesamt, die Trauung selbst dürft ihr aber in jedem deutschen Standesamt vornehmen lassen.

Brauchen wir Trauzeugen?
Nein, Trauzeugen sind seit 1998 keine Pflicht mehr. Ihr könnt aber bis zu zwei benennen, wenn ihr wollt.

Was kostet die standesamtliche Trauung?
Die Grundgebühr ist überschaubar; Zusatzleistungen wie Samstagstermine, Trauung außerhalb des Amtes oder mehrere Urkunden kosten extra. Fragt beim Standesamt nach der genauen Gebührenordnung.

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Erst der Antrag, dann das Standesamt: Ideen für den perfekten Moment findest du unter Heiratsantrag Mann an Mann. Und den ganzen rechtlichen Hintergrund liefert Ehe für alle.

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