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LGBTQ: Was bedeutet das?

Du kennst das Kürzel LGBTQ aus den Medien und möchtest gerne wissen, was sich dahinter verbirgt? Du willst wissen, wen das Kürzel einschließt und wen nicht? 

Das Kürzel LGBTQ unterliegt einem ständigen Wandel. So wurde dieses in den vergangenen Jahren stetig erweitert. Jahrelang wurde von der LGBT-Bewegung gesprochen. Diese war vor allem eine Bewegung, die sich für die Gleichberechtigung nicht heterosexueller Menschen einsetzte. Die Buchstaben stehen für

Lesbian

Gay

Bisexual

Transgender

Queer

Das Kürzel LGBTQ wurde im Laufe der Jahre immer mehr erweitert. Dies ist Resultat davon, dass die LGBTQ-Bewegung immer inklusiver wird und auch bisher marginalisierte Gruppen eine Stimme verleiht. Anfangs ging es vor allem darum, Gruppen, die ihre sexuelle Orientierung nicht frei ausleben durften, gesellschaftlich zu empowern. Mittlerweile sind mit dem Q auch Gruppen inkludiert, bei denen der Kampf für die freie Selbstbestimmung über ihre sexuelle Identität eine gewichtige Rolle spielt. Um wirklich alle Gruppen zu erfassen, wird gerne das Kürzel LGBTIAQ+ verwendet. Hier sind explizit auch intersexuelle und asexuelle Menschen mit einbezogen. Durch das + wird dargestellt, das man offen ist für alle sexuellen Orientierungen und Identitäten, die nicht explizit im Kürzel erwähnt sind. Das Kürzel an sich existiert jedoch erst seit einigen Jahren und ist erst seit kurzem im Sprachgebrauch des gesellschaftlichen Mainstreams verankert. Früher wurden häufig negativ konnotierte Begriffe wie homosexuell verwendet. Es ging in der öffentlichen Debatte damals vor allem darum, schwulen Sex einzuschränken. Lesbische und andere queere Gruppen kamen in der öffentlichen Debatte meist gar nicht vor. Frauen hatten keine gesellschaftliche Stimme. Dass die LGBTQ-Bewegung sich als eine Einheit begreift, die gemeinsam für ihre Rechte eintritt, ist erst seit wenigen Jahrzehnten der Fall.

LGBTQ-Bewegung: Die wichtigsten Meilensteine in Deutschland

Die Geschichte der Homosexualität in Deutschland war lange von repressiven Maßnahmen des Staates geprägt. Schon vor Jahrhunderten wurden Männer, die Sex mit Männern hatte, unter dem Vorwurf der Sodomie verhaftet und getötet. Seit 1871 war das Ausüben von Homosexualität im neu gegründeten Deutschen Kaiserreich durch den Paragraphen 175 unter Strafe gestellt. Unter Adolf Hitler gipfelte die Entrechtung von schwulen Männern aber auch lesbischen Frauen in der systematischen Ermordung in Vernichtungslagern. Dort starben mehrere 10.000 schwule Männer. Erst 1969 wurde unter Kanzler Kurt-Georg Kiesinger (CDU) der Paragraph 175 entschärft. Er bezog sich ab 1973 nur noch auf sexuelle Handlungen mit Männern unter 18 Jahren. Erst 1994 wurde durch die schwarz-gelbe Regierung unter Kanzler Kohl der Paragraph 175 endgültig abgeschafft und das Schutzalter für homo- und heterosexuellen Sex gleichgestellt. 2001 wurde schließlich die eingetragene Lebenspartnerschaft eingeführt. 2017 wurde mit Unterstützung der linken Parteien gegen die Stimme der Kanzlerin Angela Merkel die Ehe für Alle beschlossen. Doch trotzdem gibt es noch viel zur vollständigen Gleichberechtigung zu tun. Insbesondere die Rechte von Transsexuellen bekommen glücklicherweise immer mehr öffentliches Gehör. 

Die Situation weltweit

Die rechtliche Lage von LGBTQ ist weltweit extrem unterschiedlich. Sie reicht von vollständiger Gleichberechtigung und der Möglichkeit staatlich anerkannte Partnerschaften einzugehen sowie dem Abbau jedweder sonstiger gesetzlicher Diskriminierungen bis zu Staaten, in denen das Praktizieren von Homosexualität mit dem Tod bedroht wird. Viele Verbote gleichgeschlechtlichen Geschlechtsverkehrs sind erst in den letzten Jahrhunderten verabschiedet worden. Häufig wurden diese durch religiöse Motive oder koloniale Einflüsse beeinflusst. Bis Ende des 19. Jahrhunderts gab es in nahezu keiner Kultur der Welt einen Ausdruck für Homosexualität. Der Zusammenhang zwischen sexuellem Begehren und geschlechtlicher Identität ist ein Phänomen der Neuzeit. Früher wurde vor allem Analverkehr bei Männern gesetzlich verfolgt.

Ein maßgeblicher Schritt zur gesellschaftlichen Liberalisierung und Anerkennung von queeren Menschen waren die Stonewall Proteste 1969. Bei diesen wurde der Grundstein dafür gelegt, dass Personen aus der LGBTQ-Bewegung selbstbewusst ihre Rechte einfordern und in der Öffentlichkeit auch eine Stimme bekommen. In den letzten Jahren legalisieren glücklicherweise immer mehr Staaten weltweit gleichgeschlechtlichen Sex. Besonders positiv um LGBTQ-Rechte steht es in Europa, Australien, Nord- und Südamerika. Hier können schwule und lesbische Paare häufig sogar heiraten. Aber auch in fast allen anderen Ländern der Welt gibt es einen positiven Trend zu mehr Akzeptanz sexueller Vielfalt.

Regenbogenflagge vor dem Münchener Rathaus in der Pride Woche

LGBTQ in Deutschland – Zahlen und Fakten

Die gesellschaftliche Akzeptanz von Schwulen steigt in Deutschland seit Jahren. Gut 7-11 % der Deutschen identifizieren sich laut einer Umfrage in Deutschland als LGBT Person. Auch die CSD-Paraden im Sommer erfreuen sich hunderttausender Besucher. Diese zeigen so ihre Unterstützung für die Rechte queerer Personen. Politisch wurden in den letzten Jahren einige wesentliche Veränderungen durchgesetzt. Neben der Ehe für Alle 2017 ist hier vor allem die Aufhebung der Diskriminierung schwuler Männer beim Blutspenden zu nennen, sowie die geplante Abschaffung des Transsexuellengesetzes in seiner jetzigen Form. Trotzdem gibt es seitens LGBTQ-Bürgerrechtsgruppen weitergehende Forderungen, die insbesondere auch einen besseren Schutz queerer Geflüchteter fordern und sich gegen die Diskriminierung von LGBTQ in Osteuropa wenden. Besonders im Pride month wird daher weiter für die Rechte der Community gestritten.

    Die wichtigsten politischen Forderungen derzeit sind:  

  •  Die Ergänzung des Artikel 3 des Grundgesetzes um die sexuelle Identität
  • der Einsatz für den Schutz queerer Gruppen in anderen Staaten, in denen LGBTQIA+ Personen verfolgt werden
  • eine Reform des Abstammungsrechts: Regenbogenfamilien müssen staatlich anerkannt und unterstützt werden
  • Erstellung eines Nationalen Aktionsplans gegen Queerfeindlichkeit
Der Beauftragte der Bundesregierung für die Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt Sven Lehmann hat versprochen die wichtigsten dieser Themen rasch anzugehen. Wir wünschen ihm viel Erfolg dabei und stehen an seiner Seite!

Martin Schirmer
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Martin Schirmer

Martin hat Psychologie studiert und berät homosexuelle Paare sowie Single-Männer bei ihrer großen Liebe. Sein Motto: Jeder kann sich glücklich verlieben. Mit praktischen Tipps und dem nötigen Feingefühl auch für schwierige Coachingsituationen, hilft er seinen Kunden ihre Ziele in der Liebe zu erreichen.

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